Warum fotografieren wir?

von Manfred Hirt

Fotografieren ist die individuelle und damit subjektive Gestaltung von Abbildern. Es ist die persönliche Interpretation dessen was wir sichtbar wahrnehmen unter Zuhilfenahme eines Fotoapparates. Handeln wir hierbei ganz bewusst und gestalten das Bild nach bestimmten Regeln und Vorstellungen, haben wir die Schwelle vom „Knipser" zum Fotografen überschritten.

Knipsen als Mittel um Erinnerungen zu bewahren hat dabei durchaus seine Berechtigung. Hier kommt es allerdings weniger auf die perfekt, durchgeplante Aufnahme, als vielmehr auf die Bildaussage an. Es ist ein Dokument einer ganz bestimmten Situation und nicht wiederholbar. Diese Aufnahme ist allerdings auch nur für den Fotografierenden sowie die unmittelbar Beteiligten gedacht.

Fotografieren wie wir es meinen und anstreben, soll jedoch den neutralen Betrachter begeistern und neugierig machen. Die Bilder sollen eine sofort erfassbare und verständliche Aussage erzeugen und Emotionen wecken.
Dabei sind Fotografien immer nur Ausschnitte der Wirklichkeit. Sie sind losgelöst von allem was sich außerhalb des Bildausschnittes befindet. Alles störende Beiwerk ist abgetrennt. Insofern schönt es die Wirklichkeit. Auf der anderen Seite kann das Bild aber nicht die Gefühle des Fotografen bei der Aufnahme wiedergeben. Wesentliche Teile der Umwelt, welche die Aussage des Bildes möglicherweise positiv beeinflussen könnten, fehlen.
Hier sind wir an der Schwelle zur Kunstform der Audio-Visions-Schau.

Bei all der zur Verfügung stehenden Technik kommt es in jedem Fall aber zunächst auf die Wahrnehmungsfähigkeit und das gestalterische Vorstellungs- und Umsetzungsvermögen des Fotografen an. Diesen fotografischen Blick zu schulen ist das spannende Moment des Fotografierens. An sich selbst festzustellen, dass es nicht mehr nur die „ins Auge springenden" Situationen sind, die das gute Bild ergeben, sondern auch und vor Allem das Unscheinbare, das erst durch unsere Gestaltung (Ausschnitt, Blende, Zeit) zum „Hingucker" wird, ist das eigentlich zufriedenstellende und stets aufs neue motivierende Moment des Fotografierens.