Der gute Ton

von Manfred Hirt

Neulich saß ich vor dem Fernseher und schaute mir mal wieder einen Filmbeitrag über die Geheimnisse der deutschen Wälder an. Ich mache das immer wieder gerne, weil mich diese Filme mit ihren tollen, technisch ausgefeilten Bildern faszinieren. Bilder aus Vogelnisthöhlen bekomme ich mit meinen Kenntnissen, technischen Voraussetzungen und zeitlichem Aufwand ebenso wenig hin wie Beobachtungen aus Ameisenhügeln, begleitende Flugaufnahmen von Bienen. Je nach Filmart wird auch gern mit langen Standzeiten und ruhigen Bildern gearbeitet, was mich sehr an unsere eigene Arbeit erinnert.

In AV Kreisen ist es aus diesem Grund auch durchaus üblich, diese professionellen Berichte als Lehrbeispiele für die AV-Gestaltung und Textgestaltung zu empfehlen. Für mich waren diese Beiträge hierfür auch lange Zeit gute Hilfen. Fragen wie; Was sollte gesagt werden und was ist entbehrlich. Satzbau, Satzlänge und Inhalt des Gesagten sind entscheidende Kriterien für den Gesamteindruck der Schau bzw. des Films. Profis sollten das alles beherrschen.

Nun stelle ich aber seit einiger Zeit vermehrt fest, dass sich bezüglich der Tonabmischung bei diesen Beiträgen, vermutlich irgendeiner Mode folgend, etwas Entscheidendes zum Nachteil entwickelt hat.

Immer häufiger ist es mir nicht möglich, diese Beiträge ohne die Fernbedienung in der Hand zu betrachten. Bei Textpassagen werden die begleitenden Geräusche oder Musik in ihrer Lautstärke nicht mehr genügend bzw. gar nicht mehr abgesenkt. Der Text ist unter dem Geräuscheteppich schlichtweg nicht mehr zu verstehen. Das verstärkt sich noch, wenn, wie häufig der Fall, eine zu rhythmische Musik beigemischt wird. Auch bei Spielfilmen fällt mir das auf. Da wird genuschelt und geflüstert, während die Musik auf voller Lautstärke weiterläuft. Von meiner Frau ernte ich mit meinem fragenden Blick meist auch nur Achselzucken.  Es kann ja durchaus sein, dass es dramaturgisch nötig ist, den Text leiser zu sprechen, aber dann muss die Musik daran angepasst werden.

Wir Fotografen beachten beim Fotografieren ja stets das Histogramm. Bei der Zusammenstellung des Tons ist die Audiopegelanzeige das wichtigste Instrument.

Hiermit können kräftige oder leise Sprecherstimmen gut ausgepegelt werden. Wenn diese über ein Geräusch oder über Musik gelegt wird, muss Letzteres deutlich abgesenkt werden.  Alles gleichzeitig und gleich laut, gibt Akustikmatsch, verwirrt das Gehör und macht keinen Spaß beim Zuhören. Das gilt für Profi- wie für Amateurproduktionen.

 Viele neue Gestaltungsideen werden mich sicher auch künftig in meinem Tun inspirieren.

Aber diese Art der Tongestaltung, sollten wir uns nicht zu Eigen machen und dem Zuschauer einen entspannten Genuss gönnen.  

  

Manfred Hirt